Interessantes rund ums Osterfest

Was bedeutet „Ostern“ wortwörtlich? Die Bedeutung des Wortes Ostern war lange Zeit umstritten und ist wahrscheinlich nicht eindeutig zu klären: „Ostern“ (wie auch die englische Bezeichnung „Easter“) ist offensichtlich von „Eostro“ abgeleitet: ein Wort, das von dem Kirchenlehrer Beda Venerabilis (674-735) bezeugt wird. Eine mögliche Bedeutung von „Eostro“ ist „Morgenröte“. Im übertragenen Sinne ist die Morgendämmerung des Ostersonntags gemeint, als die Auferstehung Christi vollzogen wurde. Morgenröte und Ostern hängen auf jeden Fall untrennbar zusammen.

Morgenröte: Eine Stelle aus dem Buch des Propheten Hosea zeigt den Zusammenhang zwischen Auferstehung und Morgenröte: „Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden. Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte“ (Hosea 6, 1 – 3)

Diese Morgenröte war auch ein Hinweis auf die aufgehende Sonne, ein Christus- und Auferstehungssymbol (nach Maleachi 3,20 „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit“). Aus diesem Grund sind Kirchen in der Regel so gebaut, dass die Gemeinde Richtung Osten schaut. Die Taufkandidaten in den antiken Kirchen schauten Richtung Osten, als sie sich zu Christus bekannten. In der antiken Kirche gab es die Sitte, dass Taufkandidaten in der Morgendämmerung des Ostersonntags getauft wurden: die Zeit der Morgenröte.

Taufe als Nachahmung der Auferstehung: Die Taufkandidaten mussten sich bei der Taufe vollständig ausziehen. Diese Nacktheit war eine Erinnerung an Adam und Eva, die nackt waren und sich nicht schämten, als sie noch in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott waren. Diese Nacktheit galt auch als Nachfolge Christi, der am Kreuz nackt war. Danach wurden sie ins Wasser untergetaucht, und zwar dreimal für die Dreifaltigkeit Gottes und für die drei Tage, die Jesus im Grab war, denn die Taufe war ein symbolisches Begräbnis. Nach dem Auftauchen aus dem Wasser zog der Getaufte ein weißes Gewand an, um zu symbolisieren, dass er/sie Jesus Christus (bzw. das ewige Leben, den neuen Menschen) angezogen hat. An dem Sonntag nach Ostern erschienen die Getauften in ihren weißen Taufkleidern, deswegen bekam dieser Sonntag den Namen: „Weißer Sonntag“.

Wann ist Ostern? Ostern kommt immer an dem ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang. Der frühst mögliche Termin für Ostern ist deshalb der 22. März. Diese Regelung ist von dem jüdischen Mondkalender abgeleitet. Das Passahfest wird in der Regel an dem Tag des ersten Frühlingsvollmondes gefeiert. Jesus feierte dieses Fest mit seinen Jüngern, er wurde danach verhaftet, verhört, gekreuzigt, begraben und ist dementsprechend an dem Sonntag nach dem Frühlingsvollmond auferstanden.

Ostern ist das älteste Fest: Der älteste Name für das älteste Fest der Christenheit heißt Pascha (Pas-cha ausgesprochen). Pascha ist die aramäische Übersetzung des hebräischen „Pessach“ (das Fest, bei dem Juden die Befreiung aus Ägypten feiern). Ostern war ursprünglich ein christianisiertes Passahfest. Pascha drückt genau aus, was die Bibel meint, wenn sie von Auferstehung spricht. Denn Pascha bedeutet „Übergang“. Auferstehung ist keine Wiederbelebung, keine Rückkehr zu dem früheren Leben; sie ist auch nicht bloß eine Seelenbefreiung. Auferstehung erfasst den Menschen in seiner Ganzheit und ist ein Durchzug durch den Tod hindurch.
„Pascha“ bringt auch zum Ausdruck, dass der Tod und die Auferstehung Jesu eine Einheit sind, nicht zwei getrennte Ereignisse. Und Jesus gilt als „Paschalamm“, das Lamm das geschlachtet wurde, damit wir leben können.

Urbild der Auferstehung: Auszug aus Ägypten Als Israel aus der ägyptischen Knechtschaft in die Freiheit zog, geschah ein Wunder: das Schilfmeer spaltete sich und das Volk konnte durchziehen. Und so wie Israel während der Nacht durch die Tiefe des Meeres hindurch zog und in der Morgendämmerung das jenseitige Ufer erreichte, so ist Jesus Christus durch die Tiefe des Todes hindurch gezogen und hat das jenseitige Ufer – die ewige Herrlichkeit Gottes – in der Morgendämmerung des Ostersonntags erreicht. Und die Taufe in ihrer ursprünglichen Form war ein symbolisches Nachahmen der Auferstehung Christi.

 Jeder Sonntag ist eine Osterfeier: Weil Jesus an einem Sonntag auferstanden ist, treffen sich Christen jeden Sonntag, um die Auferstehung Christi zu bezeugen und zu feiern. Zuerst war der Sonntag ein Arbeitstag, und Christen mussten sich dementsprechend früh treffen. Als aber die Verfolgung der Christenheit im 4. Jahrhundert durch Konstantin beendet wurde, wurde der Sonntag im Jahre 321 zu einem öffentlichen Ruhetag.

 

Lass niemand trauern,

weil er immer wieder und immer wieder gefallen ist,
denn Vergebung ist aus dem Grab erstanden.
Lass niemand den Tod fürchten,

denn der Tod hat unseren Heiland freigelassen.
Er hat den Tod zerstört, indem er ihn ertrug.
Er zerstörte das Totenreich, indem er in es hinabgestiegen ist.
Das Totenreich ist in Aufruhr, denn es ist erledigt.
Es ist in Aufruhr, denn es wird verspottet.
Es ist in Aufruhr, denn es ist zerstört.
Es ist in Aufruhr, denn es ist vernichtet.
Es ist in Aufruhr, denn es ist nun gefangen genommen.
Das Totenreich nahm einen Leib und entdeckte Gott.
Es nahm Erde und begegnete Himmel.
Es nahm, was es sah,

und wurde überwunden durch das, was es nicht sehen konnte.
O Tod, wo ist dein Stachel?
O Totenreich, wo ist dein Sieg?
Christus ist auferstanden, und du, O Tod, bist vernichtet.
Christus ist auferstanden, und die Bösen sind herunter geworfen.
Christus ist auferstanden, und die Engel freuen sich!
Christus ist auferstanden, und Leben ist befreit!
Christus ist auferstanden, und das Grab hat seine Toten preisgegeben,
denn Christus, von den Toten auferstanden, ist der Erstling unter denen, die schlafen.
Ihm sei Ehre und Kraft für immer und ewig. Amen!

Hl. Johannes Chrisostomos, Konstantinopel, 4 Jhd.