Schwarzacher Münsterkonzert am 30. September 2018 um 19:00 Uhr mit der Capella Crucis, der Bezirkskantorei der Ortenau und der Philharmonie Baden-Baden

 John Rutter (*1945) aus „Psalmfest“
Psalm 121 – I will lift up mine eyes
Psalm 84  – O how amiable are thy dwellings
Psalm 47 – O clap your hands

Felix Mendelssohn Bartholdy  (1809 – 1847)
Der 42. Psalm op. 42
„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“

John Rutter 
Magnificat

Aufführende:
Philharmonie Baden-Baden
Kath. Bezirkskantorei Capella Crucis Rastatt 
Kath. Bezirkskantorei der Ortenau

Leitung: 
Bezirkskantor Jürgen Ochs – Bezirkskantor Matthias Degott

Veranstalter:
Landkreis Rastatt, Bezirkskantorat Rastatt, Gemeinde Rheinmünster, Südwestrundfunk Baden-Baden  

 

John Rutter wurde 1945 in London geboren und zählt zu den bedeutendsten und populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik der Gegenwart. Sein Magnificat ist weltweit eines der beliebtesten Chorwerke unserer Zeit. Es wurde als Auftragswerk 1990 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt. Inspiriert von den ausgelassenen lateinamerikanischen Marienfesten, gestaltete Rutter das Werk als strahlende Latino Fiesta. Weitere große Chorwerke sind das Requiem (1985) und die Sammlung Psalmfest (1993). John Rutter hatte sich intensiv mit dem Magnificat von Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt. Wie Bach begnügte er sich auch nicht nur mit dem originalen Text, sondern fügte verschiedene Elemente hinzu: so das Marienlied „Of a Rose“ aus dem 15. Jahrhundert, auf dem der zweite Satz basiert, aber auch das „Sanctus“ im dritten Satz sowie das „Sancta Maria“ in der Mitte des abschließenden „Gloria Patri“. Bereits im ersten Satz wird Rutters Absicht klar, ein fröhliches Magnificat zu schreiben. Der Wechsel von 6/8- und 3/4-Takten erinnert am ehesten an Leonard Bernstein und „America“ aus der „West Side Story“. Diesem energievollen Anfang kann sich niemand entziehen.

Die übrigen Sätze zeigen alle ihre ganz eigenen Charaktere: das „Fecit potentiam“ zeigt fast martialische Züge, ganz im Gegensatz dazu ist das lyrische „Et misericordia“ ein zarter Satz, in dem der Solo-Sopran nur sehr zurückhaltend begleitet wird. Das musikalische Material des Werkes ist außerordentlich vielfältig. Thematisch reicht es vom gregorianischen Choral über die Fuge und den Rumba bis zum Rag Time. Der Bogen der Harmonik spannt sich von der einfachen Dreiklangtonalität über impressionistische Ganztonchromatik und filmmusikalische Effekte bis hin zu Jazz und moderner Clusterbildung. Hinzu kommt eine außerordentlich vielfältige Rhythmik, die in ständig wechselnden Takteinheiten notiert ist. Diese Vielfältigkeit ist das begeisternde an Rutters Musik.

Kompositionen aus Rutters „Psalmfest“ und Felix Mendelssohns bedeutende Vertonung des Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischen Wasser“ op. 42  eröffnen das Chorkonzert. Psalmtexte inspirierten Mendelssohn während seines gesamten Schaffens. Er hinterließ neben A-cappella-Sätzen fünf große Orchesterpsalmen. Eines der eindrucksvollsten und schönsten Werke ist zweifellos die Psalmkantate  über den 42. Psalm op. 42 „Wie der Hirsch schreit“ für Soli, gemischten Chor und Orchester aus den Jahren 1837. Am 28. März 1837 heiratete Felix Mendelssohn Bartholdy die Pfarrerstochter Cécile Jeanrenaud. Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms entstand größtenteils 1837 während seiner Hochzeitsreise durch das Elsass und den Schwarzwald. Der erste, zweite und sechste Satz entstanden in Freiburg im Breisgau, der Schlusschor wurde später in Leipzig angefügt. Die Uraufführung der ersten Fassung fand am 1. Januar 1838 im Gewandhaus zu Leipzig statt. Die Psalmkantate wurde zu Lebzeiten des Komponisten häufig aufgeführt und auch vom selbstkritischen Mendelssohn als eine seiner besten Kirchenkompositionen eingeschätzt. Robert Schumann bezeichnet 1837 den 42. Psalm als „die höchste Stufe, die er (Mendelssohn) als Kirchenkomponist, ja die neuere Kirchenmusik überhaupt, erreicht hat“.