Hinter jedem Engagement steckt eine persönliche Geschichte
Von Thomas Kiefer
Seit Mai darf ich nun schon als Referent für Engagementförderung in unserer Pfarrei unterwegs sein. Und bin sehr dankbar für viele gute Gespräche mit engagierten Ehrenamtlichen aus unseren Gemeinden, Gruppen, Teams und Gremien.
Was mich dabei besonders bewegt: Hinter jedem Engagement steht ein Mensch und hinter jedem Menschen steckt eine persönliche Geschichte. Menschen engagieren sich, aus vielerlei Gründen, oft weil sie eine prägende Erfahrung gemacht haben, weil sie etwas zurückgeben möchten, weil ihnen Gemeinschaft wichtig ist und weil das Engagement wichtiger Teil ihres Glaubenslebens ist.
Als Essenz aus vielen eindrücklichen Begegnungen möchte ich drei Dinge hervorheben, die mir wesentlich scheinen. Erstens: Gutes Miteinander und die Freude am gemeinsamen Tun ist die Grundlage. Dort, wo Menschen lebendige Gemeinschaft erleben, entsteht Bereitschaft, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Menschen bleiben selten wegen Strukturen. Sie bleiben, weil sie erleben: Ich gehöre dazu. Ich bin willkommen. Mein Beitrag zählt. Jede und jeder von uns ist gleich wichtig. Wir tragen Verantwortung miteinander und wir stehen füreinander ein. Zweitens: Begeisterung ist ansteckend: Es gibt sie noch, die Menschen, die für ihre Aufgabe brennen. Und mit ihrer offenen, einladenden und herzlichen Art andere als gleichwertige Gefährt:innen auf Augenhöhe mitnehmen. Erst wenn der Boden derart bereitet ist, wenn es gelingt, die andere / den anderen in seiner Einmaligkeit zum Vorschein zu bringen, dann werden - drittens - alle ihre unterschiedlichen und vielfältigen Stärken und Talente auch einbringen. Nicht alle müssen alles können. Aber jede und jeder kann etwas beitragen.
Menschen möchten wahrgenommen werden. Ehrenamtliches Engagement will wertgeschätzt und unterstützt werden. Es geht dabei weniger um große Gesten als um Verlässlichkeit und Aufmerksamkeit. Vielen Ehrenamtlichen ist wichtig, dass Hauptberufliche zeitnah ansprechbar sind, dass sie zuhören, dass Rückmeldungen erfolgen, dass man miteinander im Gespräch bleibt. Es freut mich sehr, dass diese Qualität unserem Seelsorgeteam wie auch der Verwaltung unserer Pfarrei von den Engagierten bescheinigt wird.
Und Engagement braucht Orientierung. Menschen wollen verstehen: Was passiert gerade, wer entscheidet was, wo kann ich mich einbringen? Transparente Kommunikation schafft Vertrauen. Vertrauen schafft Beteiligung. Die große Herausforderung für alle Beteiligten ist hier, trotz der neuen Größe unserer Pfarrei auch weiterhin ansprechbar und präsent zu sein und zu bleiben. Auch das gelingt uns, so die Rückmeldung aus vielen Begegnungen, einigermaßen gut. Und ganz besonders freut mich, dass wir seit Oktober einen Newsletter brandneu aufgesetzt haben, zu dem sich jede:r Interessierte auf der Website anmelden kann. Mit ebfr.collab steht ein System in den Startlöchern, mit dem wir in einigen Monaten ergänzend auch digital miteinander unterwegs sein können. Das wird das übergreifende Bauen der Brücken erleichtern. In unseren Gemeinden geschieht unglaublich viel Gutes. Eine große Chance unserer neuen Pfarrei liegt darin, voneinander zu lernen, Ideen zu teilen und gelungene Erfahrungen weiterzugeben.

Arbeitssitzung mit dem Gemeindeteam Heilig Kreuz Bietigheim.
Doch Engagement ist nicht selbstverständlich. Viele Menschen tragen seit Jahrzehnten ehrenamtlich Verantwortung in unseren Gemeinden, was wir sehr zu schätzen wissen. Zugleich erleben wir, dass manche langjährige Engagierte ausscheiden und nicht immer genügend junge Menschen nachkommen. Die Begeisterung neuer Engagierter ist deshalb eine wichtige Aufgabe, nicht erst in den kommenden Jahren, sondern schon heute. Die Förderung von Ehrenamt und Engagement hat auch der Pfarreirat als einen Schwerpunkt unserer Pfarrei festgelegt. Aus einer Arbeitsgruppe aus Hauptberuflichen um André Scholz, Daniel Meicher, Andrea Bruckbauer, Christian Pachtner und mir entsteht derzeit ein Kompetenzteam, in dem auch fünf Ehrenamtliche mitarbeiten. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Rahmenbedingungen für Beteiligung zu erleichtern, neue Formen des Mitwirkens zu ermöglichen und Engagement noch mehr als bisher sichtbar zu machen.
Gemeinde bleibt dort lebendig, wo es einen festen Kern von Menschen gibt, die in professionellem und wertschätzendem Miteinander von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen Verantwortung übernehmen, organisieren, sich kümmern und andere mitnehmen. Doch bei allen organisatorischen Fragen darf der Kern dessen, was uns alle trägt, nicht verloren gehen. Kirchliches Engagement ist mehr als Vereinsarbeit. Dort, wo Jesus Christus die Mitte ist, bekommt Engagement in unserer Pfarrei seinen tiefsten Sinn. Wir engagieren uns nicht nur, damit etwas funktioniert. Wir engagieren uns, weil wir am Reich Gottes mitbauen wollen. Vielleicht sollten wir deshalb wieder mehr von der Hoffnung sprechen, die uns erfüllt und diese Hoffnung öfter und intensiver mit hineinnehmen in unser Tun.
Unser Dank gilt allen, die sich mit Zeit, Herzblut und ihren Talenten einbringen. Und vielleicht tragen auch Sie eine Geschichte, eine Idee oder eine Begabung in sich, die für andere, die für die Gemeinschaft wertvoll sein kann. Unsere Kirche und unsere Pfarrei St. Alexander in Rastatt lebt von Menschen. Von Menschen, die glauben, die hoffen, die Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft gestalten.

Thomas Kiefer
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